Mit Mandalas zum Zentrum

 
 
 
 

Mandalas und ihre Bedeutung

Das Wort "Mandala" stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Kreis. 

Die ältesten Mandala-Zeichnungen sind ungefähr 20'000 Jahre alt. Zu dieser Zeit (Altsteinzeit) war das Rad noch nicht erfunden. 

Das Symbol des Kreises hat schon immer das Bewusstsein des Menschen beschäftigt. 
Man könnte das Mandala definieren als eine Manifestation des menschlichen Bemühens, die Ganzheit, die universelle Kraft oder Gott zu verstehen. 

Die wahre Mitte eines Kreises ist ein Punkt. Ein Punkt hat jedoch weder Dimension noch Ort. Somit entzieht sich der Punkt sowohl unserer Wahrnehmung als auch unserer Vorstellungskraft. Er gehört nicht zu unserer Welt - denn in unserer Welt hat alles Ausdehnung und Dimension, denn Welt ist Form. Der Punkt jedoch existiert jenseits von Welt, ist metaphysisch im wörtlichen Sinn. Der Punkt symbolisiert Einheit, Ganzheit, Vollkommenheit - er ist daher in fast allen Kulturen und Zeiten auch ein Symbol für Gott. 

Der Punkt enthält alles, jedoch nur in der Potenz, nicht im manifesten Zustand. Kreis und Kugel werden aus ihm geboren, sie sind die Offenbarungen des Punktes. Was im Punkt noch metaphysische Potenz ist, tritt durch Kreis und Kugel in die formale Gestaltung. 

Die Essenz des Mandala sagt uns, dass wir nicht nur der Erde angehören, sondern Mikrokosmos wie Makrokosmos in uns vereinen. Das Mandala verbindet das Göttliche (Mittelpunkt) mit der Materie, der Manifestation (Kreisfläche). So vielfältig und verschieden die Mandalas sind, sie sind immer 
Ausdruck des Einen. Das Mandala zeigt uns auch, dass am Anfang die Mitte, das Zentrum war. Jeglicher Fortschritt, jede Entwicklung verläuft nicht linear, sondern kreis- bzw. spiralförmig, und führt schlussendlich wieder an seinen Ausgangspunkt zurück. 

Sehr berühmt sind die Mandalas der tibetanischen Mönche. Die aus farbigem Sand geschaffenen Mandalas werden zum Heilen verwendet oder zur Meditation und Bewusstseinserweiterung. Nach der Vollendung werden die Mandalas zerstört und der Sand in einen nahegelegenen Fluss oder ins Meer verstreut, um die Unbeständigkeit der Schöpfung zu demonstrieren. 

In unserem Kulturkreis finden wir Mandalas in den Rosettenfenstern gothischer Kathedralen. 

Der Psychoanalythiker Garl Gustav Jung hat sich intensiv mit dem Mandala auseinandergesetzt. Jung entdeckte, dass das Mandala - eine archetypische Manifestation - ein starkes Werkzeug für inneres Wachstum und Transformation darstellt. Ein Symbol für Vollständigkeit.

Marianne Amport, Oensingen